Gedanken zur Webstrategie der Deutschen Post

Der König ist tot, lang lebe der König! Unter diesem Motto könnte man den webstrategischen Ansatz der Post verstehen, das Printgeschäft ins Social Web zu retten. Mit der Facebook App ”
Social Memories” macht man das, was ich mit The Strategy Web nicht gemacht habe: Ein Buch schreiben, drucken und verteilen. Bei der
Dynamik der modernen Konversation in 60 Sekunden stellt sich die Frage, wie spannend und wichtig, der kurze “Interneteinwurf” in 3 Jahren noch ist und ob man deshalb Bäume fällen muss.

Die Post sieht das anders und macht das auch noch ganz einfach für den User, automatisiert und schnell verteilt via Postweg. Das Volk sollte eigentlich glücklich sein bei einem so tollen Angebot. 80.000 mal ging schon ein Facebookbuch durch den Warenkorb, sagt die Deutsche Post. Viral lässt man die Community den Trend bekannt machen mit einem schönen Video. Fertig ist das “Jahrbuch” (ein einfaches statistisches
Social Media Jahrbuch 2011 findet man hier) und eine große Massnahme im Rahmen der zukünftigen Webstrategie der Deutschen Post. Perfekt.

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=5vkQGSOsZRc]

Die Distribution war früher das große Geschäft der Deutschen Post. Zeitungen, Magazine Briefe, Fyler und Werbebotschaften erreichten Briefkästen, die nicht selten unerreicht bleiben wollten. Schauen wir uns also mal die einzelnen Umsatzfelder an…

Die Flyer und Werbebotschaften konnte man ablehnen, dank schöner Aufkleber oder einfacher Zettel. Dem einen Postboten war das recht, der andere ignorierte es. Das Flyer- und Infobrief Geschäft lief Gefahr auf einem absteigenden Ast zu landen. Der klassische Brief hingegen wurde mit der Innovation E-Post-Brief zumindest versucht, ins Internetzeitalter zu retten. Der sichere, kostenpflichtige
Brief Klon für die digitale Gesellschaft mit traditionellen Wurzeln. Kosten: Rund eine halbe Milliarde. Gewinn: über eine Millionen Kunden. Ob das nun der Erfolg ist und der
E-Post-Brief sein Werbeversprechen einhalten kann, wird nur die Post selbst beurteilen können…

Wie stark die Beziehung der Post zur Printszene ist, wurde mir heute bewußt. Als nächste Innovationen sollen laut
Süddeutscher Zeitung zwei neue Massnahmen für Furore sorgen und somit die Webstrategie der Zukunft auszeichnen.

Die eine Innovationen heißt “Content Converter”, eine Software für den Mittelstand, die automatisch Content aus dem CMS für Tablets in jeglichen Formaten digitalisiert. Wenn jemand Content produziert, wird diese Person den Content auch bekannt machen wollen. Dafür gibt es Prozesse und am Ende dieser steht die Ausführung mit der Publizierung via Webplattformen. Werden da nicht RSS-Feed App Anbieter zum Mitbewerb, die Content via RSS-Feed in Apps ziehen? Zudem: Kann Print gleich Online und Mobile Content sein, etc.? Hatte die Printbranche das Thema nicht schonmal? Was dann günstiger wird, wird sich durch die Pricing der Deutschen Post zeigen. Interessierte Mittelständler dürfen sich hinsichtlich Mobilstrategie solange gerne bei
mir melden…

Spannend für die Medienszene wird sicherlich Innovation zwei:
DieRedaktion.de, für die sich schon fast 1.700 Journalisten (trotz einer Grundgebühr) registriert haben. DieRedaktion.de ist als ein unabhängiger Marktplatz vorgesehen: Unternehmen vergeben Aufträge zur Content-Produktion und Journalisten bieten ihre Dienste, Artikel zum Kauf oder Zweitverwertung an. Und das Projekt wäre für die Filmbranche adaptierbar, meint die Post. Die Deutsche Post sieht 15% Vermittlungsgebühr pro Auftrag.

Ob sich der Aufbau der Plattform refinanziert? Ist der Matching-Prozess mit “Verhandeln” und “Bewerben” glücklich gewählt? Grundsätzlich ist der Businessansatz gerade in Zeiten der sozialen Medien und wachsender Wichtigkeit von
Content-Marketing eine gute Idee. Content-Strategie erfordert aber auch den Gedankenansatz durchzuspielen, welche Contentformate produziere ich, damit der Convert Converter auch Sinn macht. Ob die Unternehmen soweit schon denken und die Produktion unterschiedliche Inhalte zum Konvertieren mit validen Budgets in Auftrag geben? Wir werden sehen…

PS: Ein Smiley zum Schluss… Ist das zweite Projekt “Hilfe zur Selbsthilfe”? Offensichtlich braucht auch die Post Produktions- und Korrekturhilfe, was man an diesem Beispiel der (ganzen fünf) Ausschreibungen von Aufträgen durch Unternehmen erkennen kann.

Die Frage stellt sich… Sind dies wirklich aussichtsreiche und durchdachte Innovationen für eine zukunftsweisende Webstrategie? Online zu Print? Das Bekanntmachen von DieRedaktion.de wird teuer, wage ich mal einzuschätzen, richtig? Und setzen Unternehmen kreative Produktionsaufträge auf Ausschreibungsplattformen, oder hat man da sein Netzwerk für die Inhaltsherstellung? Wie seht ihr das…?

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