Das ist der Gipfel – Copycat als Trendsetter?

Was ist eine Business-Partnerschaft heute noch wert? Welche Nachhaltigkeit haben Partnerschaften zwischen Unternehmen im heutigen schnellebigen Wettbewerb um Kunden? Was interessieren manche Firmen ihre Business-Partner von gestern? Ein paar Fragen, die mir heute durch den Kopf gingen, als mir diese Anzeige eines Event-Veranstalters vor die Augen kam (siehe Foto unten links).

Aufgrund des Layouts und der textlichen Gestaltung fühlt sich der Interessent an das Trendforum (Flyer 2009, Foto rechts) erinnert. Die Veranstaltung Trendforum des Management Forums Starnberg in Zusammenarbeit mit der Verlagsgruppe Handelsblatt würde in diesem Jahr sein 10-jähriges Jubiläum feiern. Da ich in den letzten beiden Jahren Partner des Trendforums war und deren Leitlinien der Veranstaltung kenne, habe ich natürlich der Anzeige Aufmerksamkeit geschenkt.

Doch es stellte sich heraus, daß es dabei gar nicht um das Trendforum geht, sondern um den Trendgipfel?!

Neupositionierung? Umorientierung? Umbenennung? Oder Präventivschlag? Offensichtlich Letzteres! Es ist eine Trend-Veranstaltung, die irgendwie als Copycat daherkommt. Ist das nun trendy?

Die Veranstaltungspromo gipfelt darin, daß eine der Veranstaltungspartner des ehemaligen Trendforums einen Alleingang macht: die Verlagsgruppe Handelsblatt. Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht, als ob das Management Forum Starnberg weiterhin Partner ist – dem ist aber nicht so. Die Partnerschaft zwischen den Veranstaltern wurde letztes Jahr gekündigt seitens des Verlages. Jetzt ist klar warum.

Der ehemalige Businesspartner des Trendforums und dessen Ideengeber Frau Wiedmaier, Geschäftsführerin des Management Forum Starnberg, wurde nicht informiert. Der Titel wurde kurzerhand geändert. Die URL beihalten und „umgelenkt“. Das Layout und Design ist ebenfalls nahezu unverändert. Ein richtiges neues Logo ist nicht erkennbar. Einfach mal schnell bemerkt (siehe Post-It Kommentar rechts), daß der Event „Dieses Jahr im Juni“ stattfindet. Obwohl es bisher noch gar keinen Trendgipfel gab?!

Das Trendforum wird es aber auch weiterhin geben – geplant ist es für den 23. und 24. November 2010.

Ist das nun der Gipfel oder ein cleverer Schachzug?

Spot On!
Das Konzept des Trendgipfels wendet sich an „Vorstände, Geschäftsführer, Marketing- und Vertriebsleiter“. Befassen die sich wirklich Marketing- und Vertriebsleiter mit den Trends der Zukunft? Oder sind das nicht eher die Unternehmesleitung, strategische Planungstellen und Trend- und Innovations-Management, die bisher durch das Trendforum addressiert wurden?

Manchmal wundert man sich über die Strategien der führenden deutschen Verlagswelt. Und auch über deren „Sateliten-Business“, welches das Unternehmens als Trendsetter erscheinen lassen soll. Und man frägt sich, welches Grundverständnis heutigen Business-Partnerschaften zugrunde liegt.

6 Kommentare
  1. Dag Piper
    Dag Piper says:

    Ich kann Martin nur zustimmen – Steve Jobs verfolgt zwar die Strategie des „Steal with pride“ seit Jahren mit bekanntem Erfolg – aber durch intelligente Integration von externem Wissen und eigener Kreativität schafft er daraus stets eine neue emotionale und relevante Welt. Der Trendgipfel ist für mich eine offensichtliche Kopie und die Vergangenheit hat bisher immer gezeigt, dass es kein Unternehmen geschafft hat, sich zum Erfolg zu kopieren. das Konzept erinnert an die Kopie des Smart aus China – auf den ersten Blick sehr ähnlich aber wenn man erst mal drin sitzt erfolgt die kognitive wie auch emotionale Dissonanz.

  2. Martin Meyer-Gossner
    Martin Meyer-Gossner says:

    Dag, danke für den Kommentar. Eine schöne Analogie, die Du da als Vergleich ziehst mit dem Smart Beispiel. Mir fiel in diesem Zusammenhang ein Zitat von Louis Armstrong ein: „Wie oft ist die Mona Lisa schon kopiert worden. Und trotzdem stehen die Leute nach wie vor Schlange, um sich das Original anzusehen.“
    Wollen wir hoffen, daß es dem TrendFORUM ebenso geht!

  3. Christian Bobzin
    Christian Bobzin says:

    Guter Grund für die Verlagsgruppe, sich ordentlich „verlegen“ zu fühlen.

    Obwohl vorstellbar ist, dass man sich dort noch nicht einmal besonders des eigenen Kopierwahns schuldig fühlt. Da auch die betreuende Agentur des TrendFORUM 2009, erstaunlicherweise die gleiche ist, wie des Trendgipfels 2010, könnte man annehmen, dass sich die Verlagsgruppe auch schon 2009 als alleiniger Herausgeber der Veranstaltung, oder zumindest der Kommunikationsmittel der Veranstaltung, fühlte – Verlagsgruppen können diese Tendenz aufweisen. Und pragmatischer Weise (Böse ist, wer hier and Sparbrötchen denkt) die Agentur anwies, doch bitte beim ach so durchdachten und etablierten Corporae Design zu bleiben.

    Wie auch immer, ob böswilliger Abklatsch oder naives Ich-tum. Nach Kenntnis dieser Vorgeschichte möchte man dem Trendgipfel-Veranstalter schwer abnehmen, dass er dem eigens gesetzten Ziel „Innovation“ gerecht wird. Und das ist nun ein wirklich schlechter Trend.

  4. Kerstin Löber
    Kerstin Löber says:

    Ich tendiere deutlich zu Herrn Bobzins Einschätzung: Es wirkt dreist, ist vermutlich aber „nur“ mangelnde ehtische Grundhaltung des Projektleiters, gepaart mit dem Herdentrieb der abhängigen Mitarbeiter/Agenturen. Ein Tabubruch und „No go!“ Ich würde mit meinem Ex-Partner Handelsblatt reden und um entsprechende Aufklärung bitten (das sollten Verlage gewohnt sein). Ansonsten könnte man auch diese Info an alle Handelsblatt-Redakteure weiterleiten: Die sind nämlich um ehrlichen Journalismus bemührt und wissen es sicher nicht zu schätzen, wenn das eigene Unternehmen schmerzfrei die klare, zumeist ehrliche journalistische Haltung konterkariert. Selbst wenn sich das Handelsblatt so die „Urheberrechte“ am Format und CD sichern wollte, ist der Weg eine arglistige Täuschung. Nicht zuletzt der Referenten und Teilnehmer. Liebes Handelsblatt: CANOSSA, würde ich sagen.

  5. Ruben Ehlert
    Ruben Ehlert says:

    Mir selbst ist die Veranstaltung nicht bekannt, zumindest war ich nie vor Ort. Bisher habe ich nur gutes über das Trendforum gehört. Sich diesen guten Ruf zu Nutze zu machen, kann ich gut verstehen aber es wird auf Dauer nicht funktionieren. Nur weil man einen Mercedesstern auf einen Kia klebt, fällt der nicht weniger schnell auseinander. Ich habe nur Mitleid mit den Leuten, die unwissend in diese Falle tappen und sicher viel Zeit und Geld. Ich hätte vom Handelsblatt auch mehr Eigenanspruch erwartet, man ist ja schließlich wer…..

  6. Susanne Maisch
    Susanne Maisch says:

    Na sowas. Gerade habe ich noch einen Anruf vom Trendgipfel bekommen…wegen Sponsoring usw. Als ich folgendes las wurde ich stutzig – wurde das Trendforum umbenannt?:

    „Unser Partner Fachverlag der Verlagsgruppe Handelsblatt hat bis 2009 gemeinsam mit dem Unternehmen Mangement Forum Starnberg den Kongress „trendforum“ durchgeführt. Diese Kooperation wurde zu Ende 2009 beendet. In den letzten Jahren hatte das trendforum ca. 200-250 Teilnehmer. Mit dem „Trendgipfel 2010″, der Bestandteile wie Vermarktung, Layout etc. aufgreift, streben wir eine ähnliche Größenordnung an.“

    Nun verstehe ich. Peinlich, peinlich.

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