Medientage 2013: Von Elefantenrunden, Ponyexpress, Postkutschen, Lichtgeschwindigkeit und Digitalraketen.

Als langjähriger Internet-Publisher und Business Blogger versuche ich seit Jahren die Münchner Medientage zu besuchen. Vergeblich. Immer wieder kam ein Auftrag im Ausland oder ein Vortrag auf einer anderen Veranstaltung dazwischen. Irgendwie bezeichnend.

In diesem Jahr habe ich es nun endlich mal geschafft, mir ein Bild von unserer Medienlandschaft auf den
Medientagen 2013 zu machen und ich muss sagen…

Ja, was muss ich sagen? Muss man überhaupt etwas dazu sagen? Doch. Ein paar Worte sollten den Weg ins Netz schon finden. Denn wie ich so aus Gesprächen mit PR-Verantwortlichen am Rande des
Kommunikationskongresses nach meiner dortigen Moderation hörte, machen Politiker und gerade Medienschaffende sich ja dann doch mal ein Bild, was da so von dem Gesprochenen auf Veranstaltungen geschrieben steht. Meine Hoffnung stirbt zuletzt.

Mit der Unterstützung von Twitter will ich verdeutlichen, was da so los war am ersten Tag. Es spricht Bände und macht diesen Post kürzer.



Der Titel “Mobile Life: Herausforderung für Medien, Werbung und Gesellschaft” war vielversprechend. Wie “mobile” die Medienwelt unterwegs ist, lässt sich an der Aussage von PULS-Programmchef Thomas Müller festmachen: “”Wenn ein Sender eine Smartphone-App anbieten kann, ist das ein Ritterschlag”. Meine nachfolgende Konversation mit dem BLM via Twitter, habe ich dann mal festgehalten. Kurz gefasst, sind die Budgets in den Medienhäusern knapp,
Regulierung offensichtlich spannender, und ob Mobile in seiner Relevanz unterbewertet wird, möchte ich gar nicht erst kommentieren. Es scheint, als wäre der Ponyexpress zwar angekommen, aber man hat lediglich auf die Postkutsche gewechselt. Dieser Vergleich stammt übrigens aus dem Mediengipfel.

Der Mediengipfel war teilweise wahrlich der Gipfel. Hier wechselten sich Klamauk, Kerniges und Kopfschütteln in Tweets fröhlich ab. Ilse Aigner, die stellvertretende Ministerpräsidentin und erste Medienministerin Bayerns, las von Print ab und ihre Zunge stolperte bezeichnenderweise über das Wort “Digi-gital”. Ob ihr das beim Ablesen von einem mobilen Endgerät (siehe Claim der Veranstaltung) nicht passiert wäre? Wer weiß das schon.



Auch mit der gewagten These “Beiträge in Blogs sind Ausdruck der Meinungsvielfalt, aber selten Journalismus”, hat sich Frau Aigner in der Woche des Launches der Huffington Post in Deutschland vermutlich keinen Gefallen getan. Was später auch mit dem Ruf nach einem “Bloggerminister” und dem nachfolgenden Kommentar quittiert wurde.





Der erste Tag ist bekanntlich auch der Tag, an dem sich die “Medienelefant/innen” treffen. Nun sind Elefanten ja bekanntlich ziemlich stille Tiere mit großen Ohren. Ebenso zeigten sich die meisten Panelisten dann auch in ihrem Gesprächswitz.

Ab und ab schien es fast so, als sei der Übersetzer des Vorstandsvorsitzenden von Sky Deutschland Brian Sullivan, eingeschlafen. Das wurde zumindest auf Twitter vermutet, da Sullivan mehrfach die Fragen wiederholen lies. Die Komik gipfelte als Sullivan eines seiner Kinder vergas “I have got two kids, … oh no, three! Don’t tweet this!”. Richtig. Wir bloggen darüber. Dann twittern wir das.

Dass Google mal wieder als Blitzableiter fungieren musste, schien Phillip Justus, Managing Director Google Deutschland, wenig zu stören. Seine Botschaften, wie etwa “Google sieht es als Aufgabe an, Werbebotschaften relevanter zu machen” waren eindeutig, wurden zwischenzeitlich aber gekonnt gekontert von der Moderatorin Ines Pohl.



Grundsätzlich schien die Elefantenrunde die gesamte moderne Medienwelt mit Mobile, Google, Twitter, Facebook, Blogs & Co. nicht so richtig verstanden zu haben. Auch wenn Sullivan mahnte: “We should stop thinking, we can make the old world come back!” Das Thema Mobile kommt. Das Internet auch. Und beides zusammen hat die Zukunft der Medien in Lichtgeschwindigkeit auf den Kopf gestellt. Vielleicht sollte sich so manches Medienhaus mal eine menschliche Digitalrakete leisten (und nicht unbedingt einen Digital Native). Die bremst nicht. Aber sie nimmt alle im Medienhaus mit auf die wunderbare Reise in ein digitales Heute.

Dann fallen auch nicht mehr so herrliche Wortbomben wie “Die Jugend ist ein großes Problem!” oder die platte Charakterisierung der Millenials “Entweder online, schlafen oder tot.” Diese Worte von einem der ältesten Panelisten Dirk Ippen, Verleger Münchner Zeitungs-Verlag, zu hören, hatten aber dennoch was. Man konnte von ihm wahrlich lernen, wie tolle Headlines entstehen. Er mischte die Runde und weckte (oder schreckte?) das Auditorium auf. Vielleicht hätte man ein Streitgespräch zwischen ihm und einer Digitalrakete statt der Elefantenrunde machen sollen. Das wäre doch mal was Neues, und davon gab es wahrlich wenig.

Enden will ich mit der Hoffnung, dass es Presseverantwortliche in Medienhäusern gibt, die ein Monitoring der Inhalte zu den Medientagen 2013 über die eigenen oder herkömmliche Medien hinaus machen. Dann werden die “Medienelefanten” irgendwann verstehen, dass Bloggen halt doch etwas mit Journalismus zu tun hat, und wie das Ganze mit dem Social Media und traditionellen Medien so zusammenspielt.



Und hier noch mal in Worten falls die Twitter, Pinterest & Co. Kommunikation noch nicht so ganz funktioniert…

“Ich erfahre auf Twitter. Ich erlebe in traditionellen Medien. Ich erzähle in Blogs und Facebook.”

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