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Von listigen Zeitdieben und dem fabelhaften Lehrer

Eins vorweg… Warum kauft man sich das Hörbuch Die Bärenstrategie von Prof. Dr. Lothar Seiwert – und nicht das Buch? Ganz einfach: In der Ruhe liegt die Kraft. Was als Maxime der Bären definiert wird, muß auch entsprechend aufgenommen werden… im Auto.

Denn nur dort ist die moderne Oase der rasenden Ruhe, die entspannende und rückbesinnende Höhle des Bären für den Vater, den Manager und den Freund in der modernen digitalen Realität. Die Stimme von Ilja Richter ist dabei perfkt gewählt – sie beruhigt, beschwichtigt und berät.

Wer sich in diesem Buch, nein… Hörbuch, nicht mindestens einmal in welcher fabelhaften Rolle eines der gewählten Waldtiere auch immer -in der ehrgeizigen Biene, der pflichtbewussten Eule, dem hektische Hase und dem gemütlichen Hirsch- wiederfindet, der hat es geschafft. Was? Die Zeitdiebe in ihre Grenzen zu weisen und aus dem eigenen Leben zu verbannen.

Aber wie kann man das schaffen in Zeiten, wo man für Social Media allein schon prinzipiell mindestens drei Monitore gleichzeitig im Blickfeld haben muss? „Verschwende Deine Zeit nicht mit Zeitdieben“ ist sicherlich einer der Vorwürfe, dem sich Social Media immer wieder gegenüber sieht. Dem kann man nur entgegenhalten, daß in der durchdachten Organisation, richtiger Zeiteinteilung und weitgehendster Automatisierung der persönlichen Aktivitäten Social Media zu einem unheimlichen Gewinn für das eigene Leben und Wissen werden kann.

In 10 bärigen Tipps bringt uns (und die entnervten Waldtiere) Bruno Bär zurück auf den Boden der Offlinewelt. Prof. Dr. Seiwert wählt diese Tipps nicht mit dem erhobenen Zeigefinger sondern mehr mit der Erfahrung eines Zeit- und Lebensmanagers, der uns keine Weisheiten auftischt, sondern die Simplizität des Alltags vor Augen führt. Keine strategische Philosophie sondern kinderfreundliche Logik, die selbst die Kleinen zum Lachen bringt – auch wenn ihnen die Tragweite der Fabel nicht klar sein wird. Die Jugend, welche das Management der Zukunft werden will, sollte sich das Hörbuch zu Gemüte führen, um mit Gelassenheit und Voraussicht die Aufgaben als Businessentscheider fokussieren zu können.

Spot On!
Es gibt ein kinderfreunliches Vermächtnis in der Strategie-Wissenschaft: Die Bärenstrategie. Ob jung, ob alt, ob gebildet oder nicht – Ilja Richter intoniert humor- und wundervoll die Charaktere des Waldes – die Schüler des Lebens. Wer Zeit hat, ist glücklich und erlebt kurzweilig die schnellebigen moderne Onlinewelt.

Männer machen mobiles Web möglich

Mittels einer Onsitebefragung hat Vermarkter IP Deutschland die Nutzerstruktur des mobilen Portals von RTL gecheckt und liefert jetzt das Ergebnis der Befragung von 480 Nutzern.

Die Nutzerschaft wird ‚dominiert‘ von Männern (73%), Durchschnittsalter 34 Jahre und das vorwiegende Interesse sind Nachrichten, Wetter, Fußball und Entertainment.

Interessant ist die Frequenz der Zugriffe: Bereits 54% kommen täglich auf die Seite und sogar 29% mehrmals pro Woche. Zugang bieten bei mehr als zwei Drittel der Befragten (71%) die webfähigen schnellen UMTS-Handys.

„Es ist immer noch so, dass Männer die technikaffinere Bevölkerungsgruppe sind. Das zeigt sich auch mit unserer aktuellen Untersuchung. Und dennoch bin ich sicher, dass auch die Frauen schon bald das mobile Internet für sich entdecken werden.“ meint Frank Herold, Leiter Interactive Solutions bei IP Deutschland

Spot On
Die Ergebnisse sind vor allem unter dem Aspekt interessant, daß es sich um keines der derzeit aktuellen Trendservices wie Communities, Social Media oder Micro-Blogging handelt. Zudem wurde das mobile Angebot von RTL erst im vergangenen Jahr gestartet und kommt nach Angaben von IP monatlich auf 2,8 Millionen Page Impressions. Es ist halt doch ein Vorteil den TV-Kanal als Promotiontool für die konvergente Zugriffoption auf RTL-Inhalte nutzen zu können.

Nach einer Befragung von TNS Infratest surfen in Deutschland aktuell rund 16 Prozent der Handybesitzer im mobilen Internet.

IKEA renoviert Obamas Oval Office

Amerika zelebriert den Umbruch ‚Change is coming‘ und erwartet gespannt den Einzug des neuen Präsidenten ins Oval Office. IKEA greift das Thema auf und macht hieraus eine aktuelle Kampagne: Embrace Change 09 Auf einer Microsite zählt eine Uhr den Countdown runter und zwei Security-Guards wuchten schon mal unter Mühen das einzige Sofa durch den zu engen Türstock.

IKEA Fans können dann ihr eigenes Oval Office designen. Das Klick-Tool ist intuitiv bedienbar als ‚drop-and-drag’… und man bekommt einen $1,500 Besucher Gutschein für die Einrichtung zur Verfügung gestellt beim Login. Wer mitmachen will, gibt seine Emailadresse an und wird rechtzeitig benachrichtigt, wenn ‚Amerikas große Hoffnung‘ Barack Obama einzieht.

Die integrierte Kampagne beinhaltet zudem das Sponsoring von Offline Plakatwänden an Bus- und Zug-Stationen mit dem Slogan ‚Embrace the Change‘. In Washington soll es sogar eine von IKEA-initiierte Autokollonne am 15. und 16.01. geben. IKEA lässt den Schriftzug „furniture fit for a president“ auf den Autodächern sehen – als Symbol für den Einzug der Obama Familie ins weiße Haus.

Spot On!
Eine herrliche Media-Idee unter dem Motto: Wohnt Obama noch oder lebt er schon? Wenn sein Einzug ins Oval Office so schnell vonstatten geht, wie der in der Social Media Welt Fuss zu fassen, dann bleibt für Amerika Hoffnung auf einen ‚Change‘.

PS: Und wer mit einem T-Shirt seine Sympathie für den Obama-Wechsel ausdrückt, kann sich hier gleich mal eins bestellen.

Prognose 2009: Online Werbeausgaben

Wenn sich die Analysten von eMarketer zu einer Online Werbeprognose hinreißen lassen, kann man sich die ruhig mal ansehen. Allerdings wollen wir das in der Kurzform machen, denn es handelt sich um US Marktzahlen. Dennoch lässt sich der Trend sehr wohl auf den europäischen Raum projezieren – letztendlich kommt er vielleicht nur ein paar Monate später.

Wagen wir also mal eine Gewinner- und Verlierer Prognose…

Gewinner 2009

Video Ad Spend
Entgegen des Abwärtstrends bei Online Werbeausgaben wird sich Online Video Werbung äußerst positiv entwickeln – plus 45% in 2009. eMarketer sieht hierfür zwei Gründe: a) professioneller Video Content entsteht durch den zunehmenden Einstieg der TV Networks, die den Brand Marketiers eine solide Basis für ihre Ausgaben offerieren. b) Die Budgets – wenn auch gewaltig limitiert- müssen effizient ein großes Online Massenpublikum erreichen: Video ist die zuversichtlichste Option.

Suchmaschinen-Marketing
Angenommenes Wachstum: 14,9% – auch hier zwei Begründungen: Aufgrund der hohen Messbarkeit hat Suchmaschinenmarketing beste Chancen der Wirtschaftskrise zu trotzen – auch wenn es nicht rezession-resistent ist. Wer Suchmaschinenmarketing macht, setzt auf kein ‚gewagtes Pferd‘. Auch der Prosument wird die Suche in Krisenzeiten als bewährtes Mittel für gute Deals einsetzen – ein klares Pro gegenüber altbewährten Werbeformen online wie offline.

Social Networking: E-Commerce Umsatzbringer
Aufgrund der ‚Selbstbedienungs-Werbe-Mentalität‘ von Facebook und MySpace haben Kunden wie Unternehmen die Chance, ihre Dienstleistungen und Services mittels E-Commerce Lösungen der Social Networks kostengünstig und einfach anzubieten. Wenn Marketinggelder geringer werden, wird sich so manches Unternehmen die Rentabilitätsfrage hinsichtlich Social Media stellen – schließen oder migrieren zu großen Social Networks?! Nur so lässt sich die avisierte große Masse erreichen. Auch die neuen Vermarketungsstrategien der Social Networks wie Facebook und MySpace werden Unternehmen hier zum Umdenken zwingen. Und wenn Twitter übernommen wird, stellt sich nur die Frage, welche E-Commerce Targeting Vermarktung der neue Inhaber einsetzen wird.

Verlierer 2009

Retail E-Commerce
Online Retail Umsätze wachsen nur um 4% in 2009. Der Sättigungsgrad an Onlinekäufen hat sich langfristig eingestellt – und die Wirtschaftskrise wird diesen Trend noch verstärken. Nur von den langjährigen Onlinekäufern lassen sich hier noch Zuwächse erwarten.

Klassische Medien
Zeitungswerbung wird am meisten leiden aufgrund von Rezession, Budget-Cuts und Konsolidierung. Für die klassischen Medien bleiben nur zwei Optionen: Frequenz eindampfen oder zu einer webbasierten Strategie greifen. Die beste Ausführung, was mit den klassischen Medien in Deutschland geschieht, schreibt hierzu Christoph Salzig.

Spot On!
Wie bei allen Prognosen ist aber auch Vorsicht geboten: Setzen alle Marketiers auf die gleichen Trends, kann man als Trendsetter gelten oder, wer zu spät beginnt, untergehen… Da kommt der Ansatz des multikulturellen Marketings wie eine Erlösung als neue Idee, die zunehmend zum Trend wird in Amerika. Immer mehr ‚internetfremde‘ Kulturen entdecken das Web – ob mobil (auch per Handy) oder nicht. Wer sich hier eine neue treue Zielgruppe erarbeitet, hat die Zukunft im Blick. Mit gezielten sprachlichen und kulturellen Botschaften kann man hier abseits der ‚klassischen‘ Onlinewerbung Aufmerksamkeit verschaffen.

Deutsche Top-Banken zu Social Media und Web 2.0

Im Ausland nimmt Web 2.0 bei Banken langsam Fahrt auf. Die österreichische CapitalBank bloggt, die englische First Direct hat sogar eine eigene Community ins Leben gerufen und auch eine kleinere deutsche Bank, die GLS Bank twittert und bloggt. Die Credit Suisse fährt weiterhin die klassische Linie und bleibt dem Trend der Web-Offenheit fern.

Wie sieht es nun mit den großen deutschen Banken hinsichtlich der Frage nach Web 2.0 und Social Media aus? Eine kurze Umfrage an vier der Topplayer gibt Aufschluss. Das Ergebnis liefert mehr Informationen als man erwartet hätte.

Deutsche Bank
Die Deutsche Bank gilt als Vorreiter im Onlinebanking sowie beim Aufbau von transaktionsorientierten Portalen für Unternehmen und institutionelle Kunden. 2007 hat man eine Studie ‚Starten statt Warten – Auswirkungen des Web 2.0 auf Finanzdienstleister‘ durchgeführt und die Initiative ergriffen. Das Medium Internet wurde aber auch schon vorher Teil der Geschäftsstrategie, dem Verantwortungsbereich Corporate Communications die Verantwortung für die Webstrategie übertragen.

Im Web aktiv ist man extern mit anlassbezogenen Chats und Blogs. So biete man Investor Chats für Aktionäre begleitend zur Veröffentlichung von Ergebnissen und blogge auch bei Großveranstaltungen, die die Deutsche Bank unterstützt z.B. Blog zu den Deutsche Bank Golf Championship, erklärt Klaus Thoma von der Deutsche Bank Communications Germany. Auch in Second Life habe die Deutsche Bank eine ‚Online-Niederlassung‘, da man die Entwicklung der deutschen Teilnahme (220.000 Personen) an Second Live durchaus als wachsend erkenne, wie die Erklärung auf der Webseite durchblicken lässt – allerdings zeitlich befristet.

Dennoch wird die Angst vor Kontrollverlust gesehen. Nicht alle Mitarbeiter sind hinsichtich Social Media mit gleichen Rechten ausgestattet. So ist hier, wie auch bei der Credit Suisse die Communication Policy strikt geregelt. Laut Klaus Thoma, Pressesprecher der Deutschen Bank, darf..:

„…in entsprechenden bankinternen Medien gerne gebloggt werden. Nur von der Bank autorisierte Mitarbeiter dürfen öffentlich als Mitarbeiter der Deutschen Bank Meinungen abgeben. Entsprechendes gilt auch für Blogs. Generell gilt: Da das Verhalten einer Mitarbeiters immer auch auf den Deutsche Bank Konzern reflektiert, ist es dabei eine besondere Anforderung, innerhalb und außerhalb der Bank Verhalten zu vermeiden, das für die Bank bei Kunden, anderen Mitarbeitern und/oder in der Öffentlichkeit unvorteilhafte Auswirkungen hat.“

Konzernintern zeigt man sich hingegen fortschrittlich und nutzt ein dbWiki. Zudem produziert man e-calls, die Videobotschaften von Führungskräften beinhalten.

Fazit
Ist die Deutsche Bank ist im Web 2.0 angekommen? Prinzipiell ja, die Deutsche Bank ist fortschrittlich, der Ansatz wirkt fundiert und die Vorgehensweise strukturiert. Aber man ist vorsichtig und läßt dann im Golf-Blog doch lieber keine Kommentare zu.

Dresdner Bank

Das Bild gestaltet sich hier etwas nüchtern, wobei man ein Zitat stellvertretend für die gesamten Webaktivitäten der Dresdner Bank gelten lassen kann: „Sie (die Corporate Website) hat die Rolle, Neukunden und Nutzer entsprechend der individuellen Bedürfnisse rasch an die für ihn relevante Website weiterzuleiten. (…) Eine Änderung dieses Rollenverständnisses als strategischer Ansatz ist derzeit nicht vorgesehen“, sagt Renate Christ von Group Communications der Dresdner Bank.

Das Thema Web 2.0 und Social Media beobachte man eng und beteilige sich an kleineren Pilot-Projekten, die man allerdings nicht benennen wolle. Ob man hier groß aktiv wird, ist dennoch sehr fraglich, denn die Anforderungen der Kunde stehen im Mittelpunkt und der Kunde wolle eher ‚klassische Service-Funktion und Abschlussfunktion sowie Informationsangebote‘, so Christ. Eine Community, ein Blog oder ein Wiki können diese Kundenwünsche erweitert zufriedenstellen, könnte man dem entgegen stellen.

Fazit
Sind die Kundenanforderungen nun Wunsch des Unternehmens oder braucht eine Bank wirklich keine Social Media Aktivitäten? Oder ist die Kundschaft der Dresdner Bank nicht wirklich die jugendliche Zielgruppe und eher die ‚Unternehmer-Gemeinde‘? Viele Fragen bleiben leider offen…

HVB – UniCredit Group
Der direkte Kontakt in der Offlinewelt, sprich Bankfiliale, seht bei der HVB im Fokus. Das Kommunikationsmedium Internet ist hier noch eine geschlossene Veranstaltung von der Bank und für den Kunden, denn die Ressourcen und das Wissen über Social Media fehlen. Dass der nicht-virtuelle Kommunikationsweg noch zweitrangig ist, erklärt Armin Herla, Leiter Customer Satisfaction Management, aus seiner persönliche Sicht in plausibelen Worten…

„Hier unterscheiden wir uns sicher sowohl von Direktbanken aber auch z.B. von Konsumgüterherstellern, die ja kaum direkten Kontakt zu ihren Kunden haben. Schon jeder hat mal mit einem Mitarbeiter seiner Bank gesprochen, wohl die wenigsten aber mit einem Mitarbeiter der Firma, die seinen mp3-Player, seine Lebensmittel oder auch die Urlaubsreise „produziert“ haben. Wir haben dagegen ca. 6.000 eigene Mitarbeiter in über 600 Filialen, da findet jeden Tag eine Menge an Dialog statt.“

Das Motto lautet: Hompeage First, Social Media Aktivitäten werden kommen – wenn die Zeit dafür ist. Auch wenn das Internet einen hohen Stellenwert bei der HVB hat, steckt Social Media noch ‚in den Kinderschuhen‘. Der Wille ist da, der Respekt ist gross, Wissen berenzt. Erst kürzlich wurden mit einer aufwändigen Studie verschiedene „Nutzertypen“ identifiziert, damit die Multichannel-Strategie nicht ins Wanken gerät, wenn man mal mit Social Media loslegt. Zudem fordert eine veränderte Internetstrategie Ressourcen, die natürlich bei der klaren Offline-Orientierung gute Argumente benötigen.

Was bisher ‚passives‘ Social Media Monitoring war, soll nächstes Jahr in akiver (offener) Teilnahme an Diskussionen sowie in einem Corporate- oder Mitarbeiterblog münden. Vielleicht… Denn man wolle erstmal die Erfahrungen befreundeter Unternehmen erkunden, so Herla. Die HVB geht ehrlich mit sich um: Die meisten Manager in Unternehmen seien eher „digital immigrants“ denn „digital natives“.

Fazit
Angesichts der Ausgangssituation eines durchschnittlichen Wissen ist die HVB offensichtlich in einer Transitionsphase. Ob diese Konzeptionsphase in offenen Web-Aktionismus umgesetzt wird, bleibt zumindest für die nahe Zukunft abzuwarten.

WestLB
Und es gibt natürlich auch Banken, die sich gar nicht äußern, oder äußern wollen? Die WestLB geht auf Tauchstation. Das Statement der WestLB ist knapp und gibt Status sowie die Zukunft zu diesem Thema vor: „Leider planen wir in nächster Zeit nicht den Einsatz von Blogs und Social Media. Aus Zeit- und Pflegegründen werden wir nicht an ihrer Webstrategie Initiative teilnehmen können“, schreibt David Hawkins, Leiter Webkommunikation der WestLB.

Fazit
Nimmt man nun an der Social Media Diskussion generell nicht teil, oder nur an dieser Stelle? Zumindest scheint eines bei der WestLB klar zu sein: Web 2.0 und Social Media kosten Zeit und Ressourcen. Manche Banken konzentrieren sich eben voll auf den Dienst am Kunden, was sicherlich nicht das Schlechteste ist.

Spot On!
Die großen deutschen Banken befinden sich noch in der Findungsphase hinsichtlich Web 2.0 und Social Media – auch wenn konzertiertes Monitoring und die ersten Testläufe an lebenden Objekten durchgeführt werden. Der Respekt vor der Web-Offenheit ist vermutlich schon aus dem täglichen Börsengeschäft ein Muss. Es geht eben ums liebe Geld und da hört die Liebe zum Kunden bekanntlich dann auch ganz schnell auf. Vielleicht auch zwei grundsätzliche Gedanken hierzu: 1. Warum sollte man überhaupt mit Banken in Verbindung treten, wenn nicht wegen Transaktions- oder Investementgeschäften? 2. Würde man als Bankkunde den Banken noch mehr indirekte Ansätze geben, diese darauf hinzuweisen, dass man vielleicht Intersse an einem Kredit, einem Fond oder einer Immobilie hätte? Oder gäbe es noch andere Gründe, auf Blogs, Communities oder Twitter-Accounts bei Banken aktiv zu werden?

XING expandiert und schnappt sich Socialmedian

Mit einem Überraschungs-Coup eröffnet der XING Blog seinen Businesstag und gibt die Fusion mit Socialmedian bekannt. Die Pressemitteilung auf der XING Seite verkündet folgenden Wortlaut zur Übernahme:

„Why do we think that socialmedian is a perfect fit for XING? Here´s why: In business success depends on access to the right information at the right time. Both the speed of information and the sheer volume of data have increased rapidly due to the rise of the internet. Traditional media companies, social media such as blogs, tweets, videos and other user-generated websites now provide daily news, leading to a veritable flood of information. The consequence: Time-strapped professionals are forced to parse through numerous news sources for relevant information and sort, organize, and share stories on their own.“

Jason Goldberg, Internetpionier, Gründer und CEO von Socialmedian, geht nach Hamburg ins XING Headquarter. Er wird VP XING Applications Platform und verantwortlich für weltweite Partnerschaften hinsichtlich Applikationsentwicklung und Content Lieferanten.

Spot On!
Der Deal ist ein feiner strategischer Zug von XING, denn was der Plattform wahrlich noch fehlte, waren externe Inhalte der eigenen Netzwerk-Kontakte, auf die man schnell zugreifen kann – ohne die Plattform zu verlassen. Dies wird vermutlich bald möglich sein…

Social Media – die Trends 2009

Beim Social Web Breakfast mit dem Thema ‚Christmas 2.0‘ standen die Social Media Trends 2009 auf dem Programm. Unter den Rednern waren Dr. Benedikt Köhler, Alexander Wunschel, Michael Prätorius und meine Wenigkeit, die ihre Meinung zur Zukunft von Social Media kundtun durften.

Michael Wunschel bezog sich vorab auf einen Witz aus einem Gespräch zwischen uns beiden, indem er die Old Economy mal als ‚die alten Kalten‘ verstand (was nie so gemeint war!) und führte dann fort mit…

„… einer Anekdote von einem Referenten des Monaco Media Forum – der Name wurde nicht genannt, aber diese Person – wohl selbst als Investor in Silicon Valley im Thema Reputation Management unterwegs – hatte Probleme mit der „offenherzigen“ Präsentation seiner Tochter auf Facebook, die er bei einem Strandspaziergang diesbezüglich zur Seite nahm um sie über die Gefahren ihres Verhaltens aufzuklären. Diese antwortete ihm aber wohl nur verständnlislos: „Papa, Du kapierst es nicht .. in einem Unternehmen wie Deinem würde ich mich auch gar nicht anstellen wollen“ – sprich die Generation Y sieht sich in einem ganz anderen sozialen Umfeld, in dem die authentische und offene Selbstdarstellung im Netz Gegenstand des Richtigen ist und das „Online-Kaschieren“ bzw. „Aufpeppen“ des Profils falsch ist. Den richtigen Kommunikationsweg in diesem neuen sozialen Umfeld zu finden – sprich in Form eines authentischen Dialogs – ist für Unternehmen und Medien die Herausforderung der nächsten Jahre. Hier bedarf es neue Medienkompetenzen, die einen deutlichen Wandel für das Marketing und die Agenturlandschaft bringen. Dabei vertritt er ganz klar die Meinung, dass die grundlegenden Einstellungsänderungen auf Seiten der Konsumenten auch in Zukunft überwiegend über Massenmedien angestoßen werden – die Absicherung, ob die Änderung auch zur eigenen Person passt, erfolgt aber über das Social Web im Austausch mit dem eigenen Netzwerk. Im Hinblick auf den Wandel und die zu erlernende Medienkompetenz sieht @podpimp noch gewaltige Herausforderungen auf das Bildungssystem zukommen, deren Berücksichtigung er in diesem Sektor leider noch nicht erkennt.“

Dr. Benedikt Köhler nahm Twitter ins Trend-Visier 2009. Er…

„… sieht dass 2009 die Kommunikation und Interaktion mit anderen noch einfach wird/werden muss. Als Branchenprimus gilt für ihn der Dienst Twitter, der einen einfach, schnellen und direkten Austausch mit anderen Personen im Netz erlaubt. Das sei das „Kernelement“, um das es im Social Web ginge. Andere Applikationen seien noch viel zu komplex. Auf die Frage ob Twitter in 2009 Mainstream werden können, meinte er, dass die Aufmerksamkeit für den Dienst ja bereits die klassischen Tageszeitungen erreicht hätte und damit durchaus zur Massen-Anwendung werden könnte. Dr. Köhler meint aber auch, dass Twitter nicht das Blog verdrängt, sondern komplementiert – denn es sei eine andere Form der Kommunikation.“

Die Gesamtübersicht der Aussagen hat der Veranstalter hier komprimiert zusammengefasst.

Süddeutsche über Twitter

Manche Unternehmen wissen nicht, welche Auswirkungen Micro-Blogging und Social Media auf ihr Unternehmen hat und belassen es dabei. Die Süddeutsche Zeiung philosophiert im Medium über den Micro-Blogging Dienst. Und widmet Twitter dann fast eine ganze zweite Seite einer Freitagsausgabe – Twitter ist im Bewußtsein des Verlages offensichtlich angekommen. Der Beitrag der Süddeutschen erscheint wie eine ‚öffentliche Überlegung‘ nach dem Sinn von Twitter, die sich der Verlag vermutlich selbst gestellt hat. Die öffentliche Diskussion anregen – prinzipiell einer der Twitter-Gedanken!? Eigentlich richtig gemacht vom Verlag…

Nur, dass die Süddeutsche dem Ganzen einen philosophischen Stempel aufdrückt und auf die erkenntnis-theorischen Ansätze eines Jorge Luis Borges zurückgreift und damit vielleicht ein wenig weit greift? Twitter ist grundsätzlich ein digitales Kommunikationstool mittels Kurznachrichten, welches durch Kommunikation zu interessanten Menschen und Links verbindet. Muss man da nach dem Sinn der Daseinsberechtigung fragen – hat die Süddeutsche das bei SMS auch mal gemacht? In einem Interview mit dem Verlag spricht Sascha Lobo über Twitter von dem „Medium der digitalen Avantgarde“ (Ausgabe Nr 283, S. 2). Eine kurze wie prägnante Formulierung, die die Schnellebigkeit der Kommunikation und die Maxime der ‚Twitterati‘ zum Ausdruck bringt.

Was also wird philosophiert? In ‚Das Gezwitscher der Welt‘ (online nennt man den Artikel: Tschilp,tschilp, bla, bla‘) schreibt Bernd Graff:

„Von Jorge Luis Borges, dem argentinischen Schriftsteller, stammt eine beeindruckende Erzählung: „Del rigor en la ciencia“ Darin berichtet er von der Arbeit der Kartographen in einem fiktiven Reich, die nicht ruhten, bis sie „eine Karte des Reichs erstellt hatten, die die Größe des Reichs besaß und sich mit ihm in jedem Punkt deckte.“

Würde man das Getwitter als Mitschrift der globalen Geschäftigkeit bezeichnen, würde man daraus dennoch nicht schlau werden und wüsste nichts über das Denken der Menschen. Denn ebenso wie eine Karte im Maßstab 1:1 keine Orientierung verschafft, weil sie die Welt nur doppelt, mangelt es einer weltweiten Mitschrift von Gedanken an Abstraktion: Wenn alle 40 000 Besucher eines Fußballspiels ihre Erlebnisse kundtun, entsteht in Summe eben nicht der akkurateste Spielbericht, selbst wenn jede Spielsekunde von allen protokolliert würde.

Darum mag der Hinweis, Twitter sei eine Mitschrift des Lebens selbst, zugleich stimmig wie unsinnig sein. Er stimmt, weil man in nie gekannter Weise am Leben der anderen teilhaben kann. Er ist aber auch unsinnig, weil Teilhabe an jedem Leben unmöglich ist. In Borges‘ Geschichte heißt es: „Die nachfolgenden Geschlechter, die dem Studium der Kartographie nicht mehr so ergeben waren, waren der Ansicht, diese ausgedehnte Karte sei unnütz, und sie überließen sie den Unbilden der Sonne und der Winter.“

Ob nütz oder unnütz philosophiert, ist egal. Interessanterweise werden die drei Artikel der Printausgabe auch von drei Personen verfasst. Sprich: der Verlag sucht nach einer Antwort und hat diverse Redakteure motiviert, sich mit dem Medium zu beschäftigen. Ebenfalls ein Social Media Ansatz: ‚Beteilige Dich an der Diskussion und motiviere Deine Mitarbeiter ihre fundierte Meinung im Web zu veröffentlichen‘. Die Süddeutsche folgt also dem Micro-Blogging Trend? Nein, denn noch hat man keinen Süddeutsche Account bei Twitter.

Spot On!
Angesichts der Entwicklung bleibt eigentlich nur abzuwarten, bis es einen offiziellen Süddeutsche Twitter Account gibt. Auch wenn der Artikel irgendwie sehr skeptisch wirkt. Ob wir einem Süddeutsche Account wohl folgen? Klar, denn man will ja wissen, zu welchen Erkenntnissen der Verlag mit Twitter letztendlich kommt und ob es Sinn macht, den Gedanken eines klassischen Verlages zu folgen – ob es philosophisch bleibt oder ‚digital-realitstisch‘, ist unerheblich für den Sinn von Twitter.

Banken & Social Media – die aktive und passive Content-Theorie

Kürzlich kam eine ‚10-Kontra-Punkte‚-Liste heraus, warum Banken und Social Media keine Freunde werden und ein interessanter Lagebericht über Banken und Web 2.0 von Sebastian Scherbeck. Wie unterschiedlich Kreditinstitute generell mit dem Thema Social Media umgehen, sei an dieser Stelle an zwei aktuellen kurzen Firmenbeispielen illustriert: Credit Suisse & First Direct (gehört zu HSBC).

Offensichtlich gibt es Unterschiede in den Communication Policies, ob man als Finanzinstitut über Blogs im Web kommuniziert oder eine Community gründet. Nennen wir die beiden Kommunikationsstrategien gemäß der Web 2.0 Terminologie (meine Definitionen) Passive Content Motivator (First Credit) gegenüber -in diesem Fall non- Active Content Placer (Credit Suisse).

First Credit
Animiert zu diesem Beitrag hat Brandrepublic, die gestern einen guten Post zum Thema ‚Banking buddies? The limits of how far brands can tap into social networking‘ brachten. Der Artikel beleuchtet die neue Social Community der First Direct für UK-Kunden mit Namen ‚Little Black Book‚, die im ‚klassischen‘ Corporate-Community-Stil daherkommt. So sollen sich Kunden untereinander Empfehlungen geben und über Tagesausflüge sowie Restaurants austauschen (Suche erfolgt wie Postleitzahl). Ein ‚Schlag‘ gegen die Finanzkrise? Fragwürdig… Der Artikel stellt in Frage, ob es mehr Gründe als die blanke Mitgliedschaft gibt, die Bankkunden vereinen? Eine weitere berechtigte Frage…

Auch wenn die Community grundsätzlich ‚cool‘ und ’stylish‘ wirkt – muss eine Bank diese Eigenschaften überhaupt vorweisen. Die ausgelöste Kritik hinsichtlich dieser Bewegung erscheint dementsprechend logisch. Hätte man nicht eher erforschen sollen, ob die Kunden sich nicht schon woanders ‚gruppieren‘. Kurze Recherche von zwei Minuten ergibt: Facebook wäre hier ein Ansatz gewesen, denn dort finden sich schon zwei Gruppen, die mit über 300 Mitgliedern aufwarten. Ja, wäre eine Option gewesen…

Aber Gavin Reeder, Head of Planning bei BLM Quantum, sieht generell mit solchen Community-Aktivitäten einer Bank das Brand in Gefahr.

„If a brand is worried about negative customer reactions of any sort, they probably shouldn’t get involved in social media at all. It could give rise to a lot of negativity, as if it looks contrived people will jump on that. There are always more people willing to say negative things than positive.“

Die First Credit stellt sich mit ihrer Webkommunikation -meiner Definition nach- als Passive Content Motivatrr dar – die Company motiviert mit der Plattform, kommuniziert nicht und lässt die Community sich selbst Inhalte und Mehrwerte gestalten.

Dem stellen wir das ‚vorsichtige Vorgehen‘ einer internationalen Bank mit schweizer Wurzeln entgegen, der…

Credit Suisse
Vor einigen Wochen habe ich zweimal versucht, ein Interview mit einem Webexperten der Credit Suisse zu organisieren. Vor dem extremen Ausbruch der Finanzkrise schrieb ich Mails über meine Netzwerke und versuchte zwei Personen zu einem One-On-One Interview zum Thema Webstrategie und Banken zu bewegen.

Vorgestern bekam ich nun ein Feedback per Mail mit der Aussage…

„Aufgrund der aktuellen Ereignisse an den Finanzmärkten und deren Inpact auf unser Daily Business muss ich leider absagen. Zudem laufen sie Gefahr, dass im Banking Bereich die Corporate Governance eine Partizipation an einem Blog nicht gestattet (häufig ausdrücklich in Communication-Policies explizit verankert).“

Auf Nachfrage, ob dies bei allen Banken so sei, bekam ich ein „Das wird wohl die Mehrheit der Branche betreffen“. Corporate Governance und Communication-Policys sind allerdings wohl doch unterschiedlich, wie der Beitrag zeigt. Das Interview hätte das Thema Finanzkrise nicht berührt, sondern lediglich das strategische Vorgehen und die Herausforderungen eines Webstrategen aus dem Finanzwesen in den Vordergrund gestellt. Die Interview Partner wären Active Content Placer für das Brand Credit Suisse gewesen – eine externe Plattform motiviert, die Firma gibt aktiven Input und profitiert von der Außendarstellung des Brands in einer branchenfremden Welt.

Spot On!
Von Transparenz kann derzeit in der Welt der Kreditinstitute nicht die Rede sein – auch wenn sich jetzt mal eine Bank jetzt web 2.0-orientiert zeigt. Trotz der zunehmenden Unsicherheit der Kunden in der Finanzkrise scheuen sich die Unternehmen auf mehr Offenheit und für mehr Kundennähe zur Steigerung der Investitionsbereitschaft zu setzen. Vielleicht ist es aber auch die Nähe zur Börse und damit verbundener Kommunikationsauflagen, die den Kreditinstituten ‚Fesseln anlegt‘. Klar muss man vorbereitet sein, wenn die Effekte von Social Media einsetzen, aber sich als Bank vor der aktuellen Entwicklung im Web verstecken, muss man sich nun auch nicht. Schließlich kann ein Brand sich auch einem Imagewechsel unterziehen, was -zugegeben- ein Challenge darstellt und ein wenig mehr Ressourcen erfordert. Es sein denn die Community macht Front gegen die Bank…

Aber wie sagte Edison doch gleich: „Erfolg hat nur, wer etwas tut, während er auf den Erfolg wartet“. Egal, ob aktiv oder passiv… In Krisenzeiten wird das zum Zitat 2.0!

Webmonitoring: Dank Falschmeldungen ein Thema für das Topmanagement?

Das Mitmach-Web 2.0 erfordert für Unternehmen besser auf die Webkommunikation zu achten – geht es doch nicht mehr darum, was man als Firma kommunikationstechnisch produziert sondern was Kunden, Interessenten und ‚Nörgler‘ über das Unternehmen im Web verbreiten. Und da wird Webmonitoring in mittelständischen und kleinen Unternehmen schnell zum Thema für das Topmanagement.

Prof. Dr. Matthias Fank der Fachhochschule Köln belegt dies jetzt mit der Studie „Webknow“, die unter 350 Unternehmen unterschiedlicher Größen und Branchen durchgeführt wurde. 57% aller Befragten sehen Webmonitoring generell als wichtiges Thema der Zukunft und das aus gutem Grund…

„Nicht die Kundenmeinungen im Web 2.0 sind das Problem, sondern eine Strategie, die sie nicht berücksitigt“, meint Prof. Fank auf der Webseite von infospeed, die die Stude auch zum Download anbietet.

In kleinen und mittelständischen Unternehmen wird das Thema Webmonitoring im Top-Management aufgehangen. Großunternehmen legen die Bearbeitung von Webmonitoring aus Budgetgründen in die Verantwortung der Fachabteilungen. Dort steht das Marketing (40%) ganz oben, Unternehmenskommunikation ist auf Platz 2 (28%) – auch Marktforschungsabteilungen übernehmen diese Aufgabe (14%).

Ebenso wie das Thema Webstrategie wird in einigen Unternehmen Webmonitoring in abteilungsübergreifenden Fachabteilungen positioniert. Die Zusammenarbeit hinsichtlich einer
erfolgreichen Zukunft für die Unternehmen erfordere dies, lässt die Studie durchblicken.

Spot On!
Als größte Gefahr sehen die Unternehmen Falschmeldungen. Die Überwachung und Auswertung der Webinhalte hiernach wird auf intellektueller Basis durchgeführt, nur 17% nutzen eine technologische Lösung. Hier wird sich mit zunehmenden Social Media-, Micro-Blogging- und Networking-Aktivitäten sicherlich ein verstärkter Need auf Unternehmensseite einstellen – vorausgesetzt das Top-Management will sein Image im ‚Web-Blick‘ behalten. Doch auch die Anbieterseite solcher Lösungen muss daran arbeiten: die Möglichkeiten der Technologien sind noch sehr beschränkt aufgrund der hohen Geschwindigkeit des Mediums.

Oder wie sehen Sie das?