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Studie: Bewertungen treiben Online-Shopping an

Die aktuelle Studie „netz98 fragt nach – Einfluss sozialer Elemente im E-Commerce auf das Kaufverhalten“ des Marktforschungsunternehmens eResult GmbH im Auftrag der Internetagentur netz98 new media GmbH besagt, daß für fast 50% der Internet-Kunden Bewertungen und Empfehlungen anderer Kunden ein wichtiges Argument sind, überhaupt online einzukaufen. Gegenüber dem traditionellen Shopping biete Online Shopping mit dem Zugriff auf die Meinungen unabhängiger Verbraucher einen klaren Mehrwert.

Bei aller Euphorie sind Bewertungsmöglichkeiten für die meisten User kein zwingendes Element, wenn auch ein wichtiger Baustein eines Online-Shops. 70% sehen es nicht negativ, wenn die Bewertungskriterien in einem Online-Shop fehlen. Man möchte anfügen, das die Gefahr auf ein anderes Portal zu wechseln, wo Bewertungskriterien angegeben werden, dennoch durchaus gegeben ist. Und von dort zum Kauf ist es dann nicht mehr weit… Die Frage wäre also, was ist entscheidender für den finalen Kauf. Die Bewertungen oder das Vertrauen in den Shop?

Die Frage beantwortet sich teilweise mit den Rezensions-Optionen, die für mehr als ein Viertel der Befragten wichtig sind. Diese Nutzer weichen im Zweifel auf andere Online-Angebote aus, die diese Funktionen bieten. Denn: Wenn 45% der Teilnehmer angeben, Produkte oder Dienstleistungen sogar regelmäßig zu kommentieren oder zu bewerten, dann sollten Shopbetreiber dies Ernst nehmen.

Der Sharing Trend ist hingegen verhalten. Nur von etwa 10% werden die Weiterleiten Funktionen wiederholt genutzt. Frauen (13%) nutzen sie mehr als Männer (9%).

„Wir halten es für sehr wichtig, uns auch wissenschaftlich und quantitativ mit dem E-Commerce zu beschäftigen. Viele aktuelle Fragestellungen können eben nur die Nutzer selbst beantworten. Davon profitieren nicht zuletzt unsere eigenen Kunden – denn die Ergebnisse der Studie fließen unmittelbar in unsere tägliche Arbeit ein.“ Tim Hahn, Geschäftsführer, netz98

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Interessant ist aber auch ein weiteres Ergebnis. Nahezu 40% der Befragten können sich vorstellen, unmittelbar in einem sozialen Netzwerk über eine Shopping App einzukaufen. Mit einer Einschränkung… Der Shop, bei dem eingekauft wird, muss dem Käufer bekannt und vertraut sein. Wer also eine App baut, sollte bei der Konzeption mit Check-out sowohl vertrauensbildende Maßnahmen (z.B. Gütesiegel) als auch die transparente Darstellung des übergeordneten Shops klar kenntlich machen.

Social Media oder die Qual der Wahl

Wir haben gestern einen Ausflug gemacht. An den Tegernsee, denn wir lieben die Bergregion um München. Schöne Berge, traumhafte Natur und auf den Almen immer nette Menschen und leckeres Essen. Aber eine Sache macht uns immer wieder zu schaffen. Die Qual der Wahl… Die Qual der Wahl, welche Hütte wir diese Wochenende “bewandern”. Welchen Weg wir nehmen sollen. Oder, welches Essen uns wohl am meisten ansprechen wird, wenn wir oben auf dem Berg angekommen sind. Und selbst wenn wir es wissen, lesen wir die Karte und sehen immernoch vor der Entscheidung … oder haben weiterhin die Qual der Wahl.

Eine große Auswahl zu haben, ist eine schöne Sache. Man könnte sagen, ein Luxusproblem… Aber wie auch schon Miriam Meckel in ihrem Buch Das Glück der Unerreichbarkeit klar macht, ist die Qual der Wahl eine unserer größten Herausforderungen der Zukunft. Viele Sachen stimulieren uns, viele Sinne rühren uns, viel Auswahl verwirrt uns. Ohne Filter wird alles zu einem einzigen Chaos.

Wir lieben es Karten zu lesen, die eine große Auswahl bieten und soind enttäuscht, wenn die Karte nur klassische Breotzeit offeriert. Es sei denn auf der Hütte, wo die Brotzeit zu einem kulinarischen Highlight avenziert. Und wie es immer so ist, scheint der Hunger und die Begeisterung größer als das Bedürfnis. Die Qual der Wahl wächst…

Warum erzähle ich das alles?

Manchmal möchte ich nicht in der Haut von den Leuten stecken, die ich so berate oder beraten habe in den letzten Wochen und Monaten. Social Media Marketing scheint einen ähnlichen Effekt auf Marketing-, PR-, HR- und Customer Service Manager zu haben.

Die Qual der Wahl stapelt sich für sie in Form von zahlreichen Fragen…

– Nutze ich Social Media überhaupt? Eine Wahl, die eigentlich keine mehr sein sollte…
– Bleibe ich besser bei meinen Leisten und erklimme nicht die Höhen und Tiefen der modernen Medien?
– Welche Kommunikationmedien nutzt meine Zielgruppe (am liebsten und in 5 Jahren noch)?
– Welche Plattform schmeckt mir (Benutzerfreundlichekeit, Usability, Technik) am besten?
– Welche Plattform oder welche sozialen Medien ist/sind für mich zielführend?
– Kann ich eine Strategie, die meisten meinen eher eine taktisches Vorgehen, eines Mitbewerbes adaptieren?
– Geht die Geschäftsführung d’accord mit einer unstrategisch wirkenden Trial-and-Error Phase?
– Welche Tools, Taktiken und Trends nutze ich um meine Botschaften anzubringen?
– Wie und womit hört man eigentlich am besten in die Zielgruppe rein?
– Wie kommunizire ich und mache die Marke menschlich?
– Mit welchen Techniken oder Apps erhöhe ich meinen ROI-Output?

Die Qual der Wahl ist wie ein unbewanderter gebirgiger Waldweg. Man muß sich ab des Weges der Konformität wandern und testen, wenn man dann doch mal mit Ruhe einen klaren und zielführenden Gedanken fassen will.

Ein paar grundsätzliche Fragen, die man sich machen sollte…

– Wer ist meine Zielgruppe und wie ist sie im Social Web heute und morgen unterwegs (Baby Boomers, Gen X, Gen Y, Gen Z)?
– Wann soll mein Auswahl Erfolg zeigen? Deklinieren Sie vom kleinsten gemeinsamen Nenner der Unternehmensziele (Markenbildung, Engagement, Leads, Umsatzzahlen…
– Was schränkt mein Vorgehen (One-Voice Policy, Kunden Status Updates, Kommentare oder Posts) mit den sozialen Medien aufgrund business-strategischer Vorgaben ein?
– Warum scheinen soziale Medien für meine Zielgruppe am aussichtsreichsten? Eine gute Analyse der Erfolgssäulen gehört vorangeschaltet, um Kosten, Personalaufwand und sonstige Resourcen abschätzen zu können…
– Wie setze ich die sozialen Kommunikationskanäle Blog, Twitter, Faceboook, Youtube oder XING/LinkedIn zukunftsträchtig als Informationsmedien auf, wer testet und wer optimiert? Wie kann hieraus ein steter Prozess entstehen?

Vielleicht bietet der Post eine Leilinie zur Entscheidungshilfe. Falls nicht, sagen Sie mir, wie sie mit der Qual der Wahl umgehen oder umgegangen sind. Die Diskussion ist eröffnet…

Studie: Hierachie in Social Networks

Die aktuelle Studie “Social Network Hierarchies and their Impact on Business” von Bridge Ratings bestätigt eine Theorie, die ich schon seit einigen Wochen in Vorträgen vertrete. Die Nutzung von sozialen Netzwerken hängt sehr stark von einer alterabhängigen, stufenleiter-orientierten Hierachie (oder Evolution?) der User ab, die sich mit dem Alter und Wissen verändert.

Kurz gesagt, macht die Studie unter 2322 Personen im Alter zwischen 6 und 54 Jahren eins klar: Für jedes Alter gibt es einen bestimmten Typus von Social Media und Social Networks sowie eine entsprechende Hierarchieordnung von Social Netzwerk Nutzertypen.

Vor allem bei der Nutzung durch die Generation X und Generation Y zeichnen sich hierbei besondere Unterschiede ab. Aber auch in den Generationen bis 54 Jahre lässt sich dieser Trend beobachten. Das Marketing Verhalten bei der Adressierung der Zielgruppen ist entsprechend anzupassen, folgern die Studienmacher.

Mädchen im Alter zwischen 6-17 Jahren beginnen vorwiegend mit der Nutzung von Seiten wie Club Penguin, Poptropica and Stardoll. Über die Jahre hinweg geht die Nutzung dann in Twitter oder Spieleseiten wie Habbo über, was einem Aufstieg in der Nutzungshierarchie gleichzusetzen ist.

Obwohl man meinen könnte, daß auch sie Seiten wie Facebook und MySpace nutzen, so zeigt sich, daß Freunde zwar im Lebensmittelpunkt stehen, aber mittels anderer Netzwerktypen kommuniziert wird. Die Nutzung dieser führenden Social Networks unter 35-54 Jährigen ging um 25% im Vergleich zum Vorjahr nach oben.

Ein Test bei einer Radiostation, die mit ihren Marketingaktivitäten die Hierachie Muster beachtete und anwand, belegt die Hierachie-Theorie. Die Station promotete regelmäßig die Seiten mit Gewinnspielen und Kunden-promotions. Das Ergebnis: In allen Bereichen stieg die Response und/oder Teilnahme um nicht weniger als 25%. Dies belegt -nebenbei bemerkt- auch die Wichtigkeit von Outbound für Inbound Marketing.

Bei den 18-24 jährigen jungen Damen steht das Hochladen von Produkt-orientiertem Inhalten (45%) hoch im Kurs. Dies lässt sich auch leicht an der Begeisterung für das Bloggen nachvollziehen, bei dem das Thema “Trends setzen und finden” eine nicht unerhebliche Stellung einnimmt.

Daß junge Erwachsene selbstbewußt ihre eigene Meinung vertreten und ihre Fähigkeit diesbezüglich nutzen, zeigt sich als eine der Haupt-Charakteristiken durch die ganze Studie. Vor allem wird dies ersichtlich aus ihrem Verhalten hinsichtlich ihres Markenbewußtseins. Mehr als ein Drittel (35%) haben sich in einem Internet Forum oder einem sozialen Netzwerk über ein Produkt oder eine Marke in den letzten Monaten geäußert. Fast 40% haben online ein Produktmeinung geschrieben.

Junge Männern zwischen 18 und 28 Jahren zeigen sich als Multiplikatoren von Produkt-Informationen – 76% haben derartige Informationen weitergeleitet. Sie gelten als die Markenexperten, denn 54% haben auf Onlinewerbung geklickt und sogar 38% haben sich Werbung vor einem Videoinhalt angesehen.

45% laden regelmäßig Werbung oder Produktmeinungen (und Clips) auf Social Networks oder Videoseiten hoch. Ein Drittel hat in Foren über Marken gesprochen und ein gleicher Prozentsatz kommuniziert über markenbezogenen Inhalte auf Instant Messenger oder sozialen Netzwerken.

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Die Studie zieht folgende sechs Schlüße aus den Ergebnissen, die spezielle Aufmerksamkeit verdienen (sollten) bei sozialen Marketingaktivitäten:

1. Soziale Seiten targeten, wenn spezifische Konsumenten erreicht werden sollen. Nicht alle Konsumer nutzen soziale Netzwerke auf die gleiche Weise.
2. Laser-fokussierte Produktbotschaften, verschlüsselt an den Lebensstil des Targets zu richten, sind kritisch.
3. Jede Konsumentengruppe und Seite wird begrenzte Wiederholung von Botschaften tolerieren.
4. Begrüßen sie die Hierarchie durch die jede Gruppe reist während ihre sozialen Netzwerk-Fähigkeiten und Erfahrung wachsen und sich verbessern.
5. Staffeln sie Hierarchie Botschaften um den effektivsten Responseraten zu erzielen.
6. Social Networking Kampagnen in Flights abfeiern.

Die Studie liefert einige gute Erkenntnisse. Was denkt Ihr darüber? Decken sich Eure Erfahrungen mit den Ergebnissen?

Social Micro-Payment: Flattr = Paid Trend mit Zukunft?

Die meisten meiner Follower und Fans werden mitbekommen haben, daß mir die Verwirklichung des Paid Service Gedankens sehr am Herzen liegt. Es wird Zeit, daß sich auch wertvoller Content vermarkten lässt.

Aber bitte nicht die Diskussion um Paid Content, sondern weiterhin zukünftig bei Paid Service bleiben. Was die Verlage nun über Jahre nicht geschafft haben, will nun Peter Sunde schaffen – Gründer von The Pirate Bay. Sein Projekt heißt Flattr.

Flattr ist ein Social Micro-Payment Vision, die bisher noch nicht am Gedankenstart war. Aber sicherlich nicht nur den Micro-Content Anbietern gefallen dürfte…

Flattr läuft in der Beta und man kann sich als Content Anbieter um einen Account bewerben – Email Adresse abgeben genügt. Gleich vorweg: Reich wird man damit nicht!

Wie funktioniert Flattr?
Der Internetnutzer zahlt einen fixen monatlichen Obulus. Wer die Seite eines Content-Anbieters besucht, findet neben den Inhalten einen Flattr-Button. Wenn der Inhalt gefällt, wird geklickt. Am Monatsende werden die Klicks des Nutzers gezählt und der eingespielte Betrag entsprechend dann unter allen Empfängern anteilsmäßig verteilt.

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Die Idee klingt gut. Der Teufel steckt in der Umsetzung und die hat es in sich. “Every month the Flattr User pays a small fee.” Wer bezahlt denn da eigentlich? Eine Vorauszahlung für Content, den ich vielleicht gar nicht bekomme oder konsumiere? Soll das eine Art Donation-System sein? Hmmm, ist das ein gangbarer Ansatz?

Und dann mag ich gar nicht ausdenken, wie sich das auf die positiven Kommentare in Blogs und RTs auswirkt. “Hey, ich hab schon bezahlt. Lassen wir das mit dem RT oder Kommentar mal…”

Oder liege ich mit meiner Sichtweise falsch…? Nochmal die Idee ist irgendwie cool, aber auch bis zu Ende gedacht?

Internet keine Konkurrenz für klassischen Journalismus

Eine aktuelle Studie des Instituts für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster besagt, daß das Internet für den Journalismus mehr als Ergänzung denn als Mitbewerb oder Konkurrenz gesehen werden muss. Im Rahmen der Studie wurden 183 Internetredaktionen aus Deutschland interviewt, womit sich 44% aller ermittelten Redaktionen an der Erhebung beteiligt haben (nach vorheriger inhaltsanalytischer Auswertung von rund 1.200 Internetangebote).

Schon lange stellen sich die klassischen Medienhäuser die Frage, inwieweit Weblogs, Twitter und soziale Netzwerke die traditionelle Medienwelt beeinflußt. Früher konnten Redaktionen von Presse, Rundfunk und Fernsehen exklusiv die ‘Medienmache’ ihre Expertise nennen. Inzwischen wird der Medienmarkt durch Firmen oder Privatpersonen zusätzlich mit verschiedensten Plattformen bedient. Inwieweit das Internet den Journalismus verändert, wurde in einem zweijährigen Forschungsprojekt am Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster untersucht.

Laut Studie lässt sich das Ergebnis auf die folgende Formel bringen: „Ergänzung statt Konkurrenz”. Noch dominieren die Online-Angebote der traditionellen Massenmedien. Weblogs und Nutzerplattformen stellen insgesamt 5% der als journalistisch identifizierten Internetangebote – eine noch niedrige Zahl. Dennoch ist die erweiterte “Partizipation” und die “Technisierung” (Automatisierung der Nachrichtenauswahl durch Google News und andere Suchmaschinen) inzwischen deutlich sichtbar und beeinflußt den modernen Journalismus. Der beruflich ausgeübte Journalismus werde deshalb aber nicht verdrängt, ziehen die Studienverantwortlichen den Schluss.

„Weblogs und Redaktionen beobachten sich gegenseitig, sie übernehmen Themen und kommentieren einander”, beschreibt Prof. Dr. Christoph Neuberger, der Leiter des Forschungsprojekts, die Beziehung.

Zur Recherche nutzen rund drei Viertel der Internetredaktionen Weblogs und 99% die Enzyklopädie Wikipedia vorwiegend als Nachschlagewerk (83%). Ihre Zuverlässigkeit schätzen sie als hoch ein.

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Der traditionelle Journalismus ist dennoch in einer schwierigen Transitionsphase. Auf der einen Seite müssen Medienhäuser sich im Internet engagieren, andererseits fehlen zukunftsträchtige monetarisierende Geschäftsmodelle. Die heutige Aussage von Fried von Bismarck überrascht nicht, kostenpflichtige Inhalte als Businessmodell zu evaluieren – trotz hoher Reichweiten und der Vorbildfunktion von Spiegel Online.
Allerdings muß man auch die Kehrseite der Medialle sehen: Der Nutzer ist aufgrund seines Einflusses wichtig für den Input und somit die Qualität des zukünftigen investigativen journalistischen Outputs. Muß der User Zahlen, ist fraglich, ob der User generierte Input weiterhin so zahlreich bleibt, oder schwindet. Denn: Wenn die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierte Studie zeigt, daß viele Redaktionen mit den Möglichkeiten der Web 2.0 Nutzerbeteiligung experimentieren, ist das ein klares Zeichen der Wichtigkeit, des Einflusses und Zukunftsträchtigkeit der modernen und sozialen Medien für den Journalismus. Hierbei profitieren Redaktionen laut eigener Aussagen von Kommentaren (20% lassen diese bereits zu) sowie von eigenen Weblogs, Videologs oder Podcasts (55% setzen diese ein).

The Social Globe: Social Media als bezahlter Abo-Dienst?

Auch wenn wir jetzt eine aussagekräftige Studie zu Erfolgsfaktoren in Social Networks haben, bleibt das Thema Monetarisierung von Social Media weiterhin ein schwieriges Businessthema. Egal ob Twitter, Facebook, MySpace, LinkedIn, StudiVZ oder welches Social- oder Business Netzwerk auch immer – so richtig hat noch niemand den Dreh für eine erfolgreiche Monetarisierung der Social Media Modelle gefunden. Nun wollen wir mal einen ‘wilden’ Denkanstoß wagen: Ist ein Modell à la Premiere, Kabel Deutschland oder Sky TV auch für die Social Media Welt in Form einer Netzwerk-Betreiber-Gesellschaft denkbar, die Social Media Abo-Dienste bündelt und anbietet?

Als wir mit silicon.de (damals eine geschlossene B2B-IT Community – siehe Bild) vor acht Jahren an den Start gingen, hatte Social Media und Web 2.0 noch nicht einmal einen Namen. Wir haben damals über ein kostenpflichtiges Angebot für IT-Professionals und Business-Entscheider nachgedacht, um die Monetarisierung im Sinne der Shareholder anzukurbeln. Damals wäre ein solcher Vorschlag undenkbar gewesen (Evangelist hin oder her) und die technischen Voraussetzungen hätten die Maßnahmen nicht erlaubt. Heute kennt und nutzt jeder Halbwüchsige Communities und die Bezahlung für Mehrwertdienste in Kinder-Communities ist teilweise schon im Vorschulalter durch die Eltern akzeptiert.

Dennoch machen die meisten führenden Social- und Business Networks sowie Communities noch keine Anstalten über eine Abo-Monetarisierung nachzudenken. Die Kunst und die Kür für Social- und als Business Netzwerk Plattform damals wie heute ist, sich als Businessmodelle erfolgreich nicht nur über ‘Werbe Revenue-Streams’ zu finanzieren. Denn auch für Social Media gilt: Profitabilität ist die Pflicht. Was die User nur gut aber nicht bezahlenswert finden, muss sich dennoch für Investoren und die Betreiber refinanzieren- und idealerweise ‘profitabilisieren. Nästenliebe gibt es in der modernen Zeitrechnung der Wirtschaft nicht mehr, und gab es früher auch nicht.

Was wäre also, wenn man die Social Media Plattformen als Abo-Dienst anbieten würde? Nennen wir die verantwortliche Firma mal: The Social Globe. Das Geschäftsfeld des Unternehmens würde sich dann vielleicht so lesen…

“The Social Globe ist das führende Pay-Social Media-Unternehmen. Das Geschäftsmodell von The Social Globe beruht auf der Überzeugung, daß Pay-Social Networks nur als breit gefächertes Angebot aus hochwertigen und exklusiven Communityinhalten erfolgreich ist. Social Networks zum Abonnieren ist dabei das Kerngeschäft von The Social Globe. Zusätzlich bietet das Unternehmen seinen Abonnenten attraktive Business-Communities, Social Communities, Corporate Networks, Micro-Blogging Dienste mit der Option zur Einzelbestellung im Pay-per-Use-Verfahren auf Abruf an. Das Unternehmen betreibt die offene Vernetzung, vermarktet die Palette aller Social Networks und sorgt für einen umfassenden Service rund um die Welt von Social Media.”

Facebook Connect liefert die Vorlage für die offene Vermarktung durch The Social Globe an die Kunden. Wer zukünftig die Plattformen nutzen will, zahlt einen Obolus pro Plattform und Nutzungsintensität. Diese Abo-Pakete sind für Businessuser und Privatpersonen ausgerichtet oder eben als Kombipaket – schön portioniert mit attraktive Abonnements zu sinnvollen Angeboten oder eben als Einzelangebot nutzbar. Für ein bis zu zehn EUR pro Plattform im Monat zahlen die User bestimmt, wenn das Social- oder Business Network für den User einen wahren Nutzen hat. Oder nicht…?

Wollen die Anbieter und Investoren von Social Media Plattformen irgendwann mal mit einem vernünftigen Gewinn dastehen, müssen sie den User an das Bezahlen gewöhnen – nur Werbung und Kooperationen ist langfristig immer wieder zu starken Schwankungen der globalen sowie regionalen Marketingbudget-Zuteilung in Unternehmen und der generellen Wirtschaftslage ausgesetzt. Eine positive Zukunftsaussicht bleibt so für Communitybetreiber in weiter Ferne. XING hat es richtig vorgemacht, aber irgendwie zieht keiner nach. OK, XING hat es von Anfang an gemacht, ein weiser Schachzug…!

Andere Social Media Anbieter müssen dennoch nachziehen, wenn das Geld irgendwann nicht ausgehen soll. Eine große User- und Interessen-Datenbank -und mehr ist eine Social Media Plattform heute in den meisten Fällen nicht- ist schön, aber es muss auch jemand dafür zahlen wollen, sonst ist sie wertlos bzw. nur bedingt wertvoll.

Der Satz ‘Was nichts kostet, ist nichts Wert’ hat schon sein Berechtigung. Der Poweruser wird zahlen, dem ‘normalen Nutzer’ muss der Mehrwert nahegebracht werden. Dann zahlt auch dieser… und sonst ist er auch nichts wert für die Plattform. Und wenn ‘Word-Of-Mouth’ Marketing funktioniert, werden die Freunde, Bekannten oder Peers denjenigen schon zum Zahlen bewegen, der mal aus den Networks ausgetreten ist aus finanziellem Grund. Denn irgendwann wird derjenige in der Offline-Community nicht mehr mitreden können.

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Der Mehrwert eines ‘bezahlten Abo-Dienstes’ für die Social Media Plattformanbieter wäre immens und die Finanzierung der Plattform sowie die Umsatzsteigerung ebenso. Und was nützen 140 Mio User, die die Kuh nicht zum Fliegen bringen? Zahlt The Social Globe nur einen EURO pro User an eine Social Media Plattform aus, so wären das bei 30% Powerusern über 40 Mio. EURO Mehrumsatz. Banner- und Newsletterformate würden weiterhin als klassische Umsatzquelle dienen und ebenso vermarktet werden durch The Social Globe.

Alles Utopie oder ist die Vision ‘The Social Globe’ denkbar?