Banken & Social Media – die aktive und passive Content-Theorie

Kürzlich kam eine ‚10-Kontra-Punkte‚-Liste heraus, warum Banken und Social Media keine Freunde werden und ein interessanter Lagebericht über Banken und Web 2.0 von Sebastian Scherbeck. Wie unterschiedlich Kreditinstitute generell mit dem Thema Social Media umgehen, sei an dieser Stelle an zwei aktuellen kurzen Firmenbeispielen illustriert: Credit Suisse & First Direct (gehört zu HSBC).

Offensichtlich gibt es Unterschiede in den Communication Policies, ob man als Finanzinstitut über Blogs im Web kommuniziert oder eine Community gründet. Nennen wir die beiden Kommunikationsstrategien gemäß der Web 2.0 Terminologie (meine Definitionen) Passive Content Motivator (First Credit) gegenüber -in diesem Fall non- Active Content Placer (Credit Suisse).

First Credit
Animiert zu diesem Beitrag hat Brandrepublic, die gestern einen guten Post zum Thema ‚Banking buddies? The limits of how far brands can tap into social networking‘ brachten. Der Artikel beleuchtet die neue Social Community der First Direct für UK-Kunden mit Namen ‚Little Black Book‚, die im ‚klassischen‘ Corporate-Community-Stil daherkommt. So sollen sich Kunden untereinander Empfehlungen geben und über Tagesausflüge sowie Restaurants austauschen (Suche erfolgt wie Postleitzahl). Ein ‚Schlag‘ gegen die Finanzkrise? Fragwürdig… Der Artikel stellt in Frage, ob es mehr Gründe als die blanke Mitgliedschaft gibt, die Bankkunden vereinen? Eine weitere berechtigte Frage…

Auch wenn die Community grundsätzlich ‚cool‘ und ’stylish‘ wirkt – muss eine Bank diese Eigenschaften überhaupt vorweisen. Die ausgelöste Kritik hinsichtlich dieser Bewegung erscheint dementsprechend logisch. Hätte man nicht eher erforschen sollen, ob die Kunden sich nicht schon woanders ‚gruppieren‘. Kurze Recherche von zwei Minuten ergibt: Facebook wäre hier ein Ansatz gewesen, denn dort finden sich schon zwei Gruppen, die mit über 300 Mitgliedern aufwarten. Ja, wäre eine Option gewesen…

Aber Gavin Reeder, Head of Planning bei BLM Quantum, sieht generell mit solchen Community-Aktivitäten einer Bank das Brand in Gefahr.

„If a brand is worried about negative customer reactions of any sort, they probably shouldn’t get involved in social media at all. It could give rise to a lot of negativity, as if it looks contrived people will jump on that. There are always more people willing to say negative things than positive.“

Die First Credit stellt sich mit ihrer Webkommunikation -meiner Definition nach- als Passive Content Motivatrr dar – die Company motiviert mit der Plattform, kommuniziert nicht und lässt die Community sich selbst Inhalte und Mehrwerte gestalten.

Dem stellen wir das ‚vorsichtige Vorgehen‘ einer internationalen Bank mit schweizer Wurzeln entgegen, der…

Credit Suisse
Vor einigen Wochen habe ich zweimal versucht, ein Interview mit einem Webexperten der Credit Suisse zu organisieren. Vor dem extremen Ausbruch der Finanzkrise schrieb ich Mails über meine Netzwerke und versuchte zwei Personen zu einem One-On-One Interview zum Thema Webstrategie und Banken zu bewegen.

Vorgestern bekam ich nun ein Feedback per Mail mit der Aussage…

„Aufgrund der aktuellen Ereignisse an den Finanzmärkten und deren Inpact auf unser Daily Business muss ich leider absagen. Zudem laufen sie Gefahr, dass im Banking Bereich die Corporate Governance eine Partizipation an einem Blog nicht gestattet (häufig ausdrücklich in Communication-Policies explizit verankert).“

Auf Nachfrage, ob dies bei allen Banken so sei, bekam ich ein „Das wird wohl die Mehrheit der Branche betreffen“. Corporate Governance und Communication-Policys sind allerdings wohl doch unterschiedlich, wie der Beitrag zeigt. Das Interview hätte das Thema Finanzkrise nicht berührt, sondern lediglich das strategische Vorgehen und die Herausforderungen eines Webstrategen aus dem Finanzwesen in den Vordergrund gestellt. Die Interview Partner wären Active Content Placer für das Brand Credit Suisse gewesen – eine externe Plattform motiviert, die Firma gibt aktiven Input und profitiert von der Außendarstellung des Brands in einer branchenfremden Welt.

Spot On!
Von Transparenz kann derzeit in der Welt der Kreditinstitute nicht die Rede sein – auch wenn sich jetzt mal eine Bank jetzt web 2.0-orientiert zeigt. Trotz der zunehmenden Unsicherheit der Kunden in der Finanzkrise scheuen sich die Unternehmen auf mehr Offenheit und für mehr Kundennähe zur Steigerung der Investitionsbereitschaft zu setzen. Vielleicht ist es aber auch die Nähe zur Börse und damit verbundener Kommunikationsauflagen, die den Kreditinstituten ‚Fesseln anlegt‘. Klar muss man vorbereitet sein, wenn die Effekte von Social Media einsetzen, aber sich als Bank vor der aktuellen Entwicklung im Web verstecken, muss man sich nun auch nicht. Schließlich kann ein Brand sich auch einem Imagewechsel unterziehen, was -zugegeben- ein Challenge darstellt und ein wenig mehr Ressourcen erfordert. Es sein denn die Community macht Front gegen die Bank…

Aber wie sagte Edison doch gleich: „Erfolg hat nur, wer etwas tut, während er auf den Erfolg wartet“. Egal, ob aktiv oder passiv… In Krisenzeiten wird das zum Zitat 2.0!

Business 3.0 ‚fast‘ ohne Emails?

Auf der Web 2.0 Expo gab es einen sehr interessanten Beitrag von Luis Sanchez von IBM, der sich mit einem Thema befasst, über das sich langsam viele Web 2.0 Menschen Gedanken machen: Warum gibt es eigentlich noch Emails? Der Titel des Vortrags spricht Bände ‘Thinking Outside the Inbox’…

Email ist ein Thema welches einen seit Anfang seines Business verfolgt, aber diesen Entwicklungsstand nie verlassen hat. Oder doch? Langsam will man auf Veränderung hoffen. Ein Junge aus der Nachbarschaft meinte vor kurzem: „Was Sie nutzen noch Emails, obwohl sie twittern, Facebook und Friendfeed nutzen? Ist das nicht ein wenig altmodisch?“ Das sass… und bringt einen zum Nachdenken.

Geht es also um die bloße Kommunikation, so ergeben sich zahlreiche andere Kontakt- und Kommunikationsmedien: Social-Networks oder Twitter. Beide bieten ‚Direct Messages‘, was ’nahezu‘ nicht gespamt werden kann und somit eine wertvolle Zeitersparnis bringt. Zudem muß man sich aus der Natur von Twitter ‚kurz fassen‘. Herrlich… kommt der gegenüber doch gleich zum Punkt. Interessanterweise bekommt man aber auf Twitter ‚Directs‘ als Reply von manchen Menschen wiederum eine Email, was mir überhaupt nicht in den Sinn will…

Doch das eine ist Kontakt zu Freunden und Gleichgesinnten. Business ist ein anderes Thema. Wie sieht es also in der Businesswelt aus?

Der Austausch von Dokumenten ist vermutlich einer der wichtigsten Punkte im Business. Warum nicht Instant Messaging Tools nutzen? Geht schneller und Feedback kommt sofort. Oder aber Google Docs? Meetings oder der ‚abendliche‘ Networking Drink lassen sich schnell und unkompliziert mit solchen web-basierten Tools oder über Business Networks steuern.

Wenn man sich mal ansieht, was man im modernen Business mit Emails macht, wirkt das nicht wirklich fortschrittlich: Löschen von Spam, Sortieren von CC-Mails in Ordner (die wir nie mehr ansehen), Kundentermine und Meetings ausmachen und sonst…? Trotz internen ‚Policys‘ oder menschlichem Selbstverständnis einer angeblich intelligente Spezies, die wissen sollte, wie man mit Emailverkehr umgehen muß, wird die Mailbox nur zu gerne von Kunden und selbst von eigenen Kollegen mal mit CC- und BCC-Mails vollgepackt. Und auch wenn Filtermechanismen semantische Grundsätze im Hinterkopf haben, lassen sie einen doch nur zu selten im Daily Business im Stich. Vielleicht lehrt uns ja das Web 2.0 das der Mensch nicht nur in Ordnern denkt sondern auch als netzwerk-funktionales Individuum, welches sich nur noch die richtige Organisationsstruktur für sein neues Dasein im Business aneignen muss.

Sind E-Mails also noch zeitgemäß angesichs von zahlreichen Social Networks, Micro-Blogging und sonstigen Web-Services, die uns alle die E-Mail Funktionalität des ‚permanent In Kontakt bleibens‘ und ‚Erreichbar seins‘ ermöglichen? Zeitmangel ist eines der größten Negativ-Argumente gegenüber einer avisierten positiven und produktiven Arbeitshaltung. Wenn man aber Spam und fragwürdig-wertighaltige Sonder-Newsletter mit einer Nachricht erhält, die einen auf dem Laufenden halten sollen, werden die zeitlich angespannten Nerven arg strapaziert. Mit diversen modernen Technologien wie z.B. Moli, Netvibes oder PageFlakes lassen sich Nachrichten schneller und spamfrei überblicken – einmal eingerichtet, RSS als Basis, ab und zu upgedatet und fertig. Da kann sich die Mailbox entspannen und die Delete-Taste der Tastatur wird fast arbeitslos…

Email wirkt auf mich wie ein schwarzes Loch, in welches wir im Business aus Angst, Fehler zu machen oder aus Nachweisbarkeitsgründen, immer wieder stürzen. Obwohl einem in 10 Jahren kein Fall untergekommen ist, indem man im Business 1.0 oder 2.0 mal von einem Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer auf einen kritischen Fall angesprochen wurde. Ob man im Business 3.0 wohl die rechtlichen Anorderungen für die Nachweisbarkeit und Corporate Governance auf eine neue moderne Realität hebt? Früher haben wir mal Ordner gehabt, in denen Aufträge landeten, heute sind Mails, Mails, Mails, die ebenfalls sich in virtuellen Ordnern breit machen, in die ich seit Jahren nicht mehr geschaut habe – und ein Controller hat mich auch noch nicht darauf angesprochen.

Das Verrückteste und Karriereunfreundlichste aber ist der CC-Wahnsinn. Da bekommt man CC’s und überfliegt diese nach Wichtigkeit und Relevanz – 99% umsonst. Doch wenn mal eine dabei ist, die nach Aufmerksamket schreit und eine Aktion erfordert, kommt einem die eine natürlich unter. Ergebnis: Absender wird sauer, weil man nicht adäquat reagiert. Die klassischen Markierungszeichen wie ‚hohe Wichtigkeit!‘ wurden in den letzten 10 Jahren leider zu oft inflationär genutzt, sodaß die Wahrnehmung sie inzwischen ignoriert. Was aber über Social Networks hereinkommt, wird in der Regel eher nicht übersehen. Vermutlich weil die Medien zeitgemäßer sind… und sich tagtäglich weiterentwickeln – im Gegensatz zu 10 Jahren innovativem Leerlauf bei Emails.

Im mobilen Business 3.0 kann ich mir eine kommunikative Welt vorstellen, die von Effizienz und Schnelligkeit bei der Versorgung von Emails geprägt ist (kein Archivieren in Ordner, die die Welt oder finanzielle Hüter der Neuzeit nie wieder sehen will). Inboxen werden nicht mehr sinnlos stündlich ‚mit dem Staubwedel abgefeudelt‘, der nur die oberflächliche Contenance wahrt.

Abgedrehte Realität? Offensichtlich nicht, denn sonst dürfte Luis Sanchez den Traum bei IBM doch nicht öffentlich ausleben, oder? Irgendwie erscheint einem angesichts des Gedankenganges diese aktuelle Studie zur beharrenden Popularität der E-Mail wie eine Farce…

Spot On!
Ok, alle diese Social Networks, Micro-Blogging Dienste und sonstige ‚Email ins Abseits stellenden‘ Services erfordern bei der Registrierung eine Emailadresse zur Verifizierung. Das ist noch ein Haken an dem die Anbieter der Webservices mal arbeiten sollten. Der einzige ‚andere‘ Anbieter, den es bisher gibt, ist Zipiko. Hier langt die Handynummer…

Webmonitoring: Dank Falschmeldungen ein Thema für das Topmanagement?

Das Mitmach-Web 2.0 erfordert für Unternehmen besser auf die Webkommunikation zu achten – geht es doch nicht mehr darum, was man als Firma kommunikationstechnisch produziert sondern was Kunden, Interessenten und ‚Nörgler‘ über das Unternehmen im Web verbreiten. Und da wird Webmonitoring in mittelständischen und kleinen Unternehmen schnell zum Thema für das Topmanagement.

Prof. Dr. Matthias Fank der Fachhochschule Köln belegt dies jetzt mit der Studie „Webknow“, die unter 350 Unternehmen unterschiedlicher Größen und Branchen durchgeführt wurde. 57% aller Befragten sehen Webmonitoring generell als wichtiges Thema der Zukunft und das aus gutem Grund…

„Nicht die Kundenmeinungen im Web 2.0 sind das Problem, sondern eine Strategie, die sie nicht berücksitigt“, meint Prof. Fank auf der Webseite von infospeed, die die Stude auch zum Download anbietet.

In kleinen und mittelständischen Unternehmen wird das Thema Webmonitoring im Top-Management aufgehangen. Großunternehmen legen die Bearbeitung von Webmonitoring aus Budgetgründen in die Verantwortung der Fachabteilungen. Dort steht das Marketing (40%) ganz oben, Unternehmenskommunikation ist auf Platz 2 (28%) – auch Marktforschungsabteilungen übernehmen diese Aufgabe (14%).

Ebenso wie das Thema Webstrategie wird in einigen Unternehmen Webmonitoring in abteilungsübergreifenden Fachabteilungen positioniert. Die Zusammenarbeit hinsichtlich einer
erfolgreichen Zukunft für die Unternehmen erfordere dies, lässt die Studie durchblicken.

Spot On!
Als größte Gefahr sehen die Unternehmen Falschmeldungen. Die Überwachung und Auswertung der Webinhalte hiernach wird auf intellektueller Basis durchgeführt, nur 17% nutzen eine technologische Lösung. Hier wird sich mit zunehmenden Social Media-, Micro-Blogging- und Networking-Aktivitäten sicherlich ein verstärkter Need auf Unternehmensseite einstellen – vorausgesetzt das Top-Management will sein Image im ‚Web-Blick‘ behalten. Doch auch die Anbieterseite solcher Lösungen muss daran arbeiten: die Möglichkeiten der Technologien sind noch sehr beschränkt aufgrund der hohen Geschwindigkeit des Mediums.

Oder wie sehen Sie das?